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SCHWEIZER SCHMUCKSTÜCK Wo der Bodensee am Untersee wieder in den Rhein übergeht, liegt vor den Werdinseln das malerische Stein am Rhein mit seiner ursprünglichen Altstadt | Foto: Manfred Grohe

Vorn der See und dahinter die Alpen, historische Städte und ländliche Idylle, Obstplantagen und Weinberge, Universitäten und Industrie, Ruhe und Trubel. Im Sommer lockt der See mit Trinkwasserqualität, im Winter ist man in einer Stunde auf der Skipiste; Österreich und Schweiz liegen vor der Haustür, auch nach Italien oder Frankreich ist es nicht weit. Die Bodenseeregion vereint eine Kombination aus Freizeitwert und Jobangeboten, die in Deutschland in dieser Vielfalt und Konzentration wohl einmalig sein dürfte.

Kein Wunder also, dass die Menschen vom Bodensee ihre Heimat so lieben. In vielen anderen deutschen Gegenden sind junge Frauen und Männer froh, der Provinz für immer zu entkommen. Tenor: gern ein paar Besuche im Jahr, aber auf keinen Fall wieder dort leben. Nicht so am Bodensee. Wer von dort stammt, der möchte dort bleiben oder zumindest irgendwann wieder dorthin zurückkehren.

Deutschlands größtes Binnengewässer bietet eben eine ganz besondere Lebensqualität. Die wissen nicht nur Einheimische und Touristen zu schätzen. Ob Studierende, Familien, Handwerker, Ingenieure, Manager Professoren, Interessenten für Feriendomizile oder Altersruhesitze – sie alle zieht das Gewässer magisch an. Der Bodensee ist eine Zuzugsregion. Das bleibt natürlich nicht ohne Auswirkungen auf die Wertentwicklung. In den letzten zehn Jahren haben sich die Immobilienpreise mindestens verdoppelt.

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DER SEE VON OBEN Der Bildband „Faszination Bodensee“ ist das Werk zweier erfahrener Profis. Die Luftbilder (auch die in diesem Marktreport) stammen vom renommierten Lichtbildner Manfred Grohe, die Texte vom Kulturwissenschaftler und Journalisten Dr. Wolfgang Alber. Das 360 Seiten starke Werk mit deutschen und englischen Texten ist erschienen im Verlagshaus Oertel + Spörer (ISBN 978- 3-96555-043-8) und kostet 59,95 Euro

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Nebenwirkungen

Die Pandemie hat diese Entwicklung in den vergangenen zwei Jahren sogar noch einmal richtig befeuert. Die Argumente leuchten ein: Der Bodensee ist schnell und ohne Flugzeug erreichbar, man bleibt in gewohnter Infrastruktur in Deutschland, Homeoffice erlaubt vielen Berufen Standortunabhängigkeit. Besonders bei jungen Familien wuchs zudem während des Lockdowns in der Enge der Wohnungen der Wunsch nach mehr Abstand zu anderen und mehr Platz für sich und die Kinder, nach einem Häuschen mit Garten.

Höhere Nachfrage, weniger Angebot, weiter steigende Preise – wahrscheinlich wäre es noch eine ganze Weile so weiter gegangen. Doch Russlands Angriff auf die Ukraine am 24. Februar hinterließ wie in den meisten Städten und Gemeinden Deutschlands und Europas auch in der sonst so heilen Welt des Bodensees seine Spuren.

Nebenwirkungen wie ein rasanter Anstieg der Energiepreise und Lebenshaltungskosten, Lieferengpässe und die Ungewissheit, was dieser Krieg noch für politische und persönliche Konsequenzen haben könnte, haben zu einem Innehalten geführt. Viele haben ihre Pläne auf eine Immobilieninvestition und die damit verbundene langfristige Bindung erst einmal verschoben, wollen die Entwicklung abwarten.

Hinzu kommen steigenden Zinsen. Kaum jemand hätte vor einem Jahr darauf gewettet, dass die Hypothekenzinsen heute bei drei Prozent und mehr liegen. Historisch betrachtet sind das zwar immer noch günstige Konditionen, aber besonders für junge Familien sind diese oft nicht mehr zu stemmen. Ohne erhebliches Eigenkapital oder verbindliche Unterstützung von Eltern oder Großeltern bekommen sie bei den Geldinstituten immer seltener die erforderlichen Darlehen bewilligt. Es kommt sogar vor, dass Familien die in einigen Gemeinden so glücklich durch Losverfahren ergatterten Baugrundstücke zurückgeben müssen, weil für sie die Finanzierung des geplanten Einfamilienhauses derzeit nicht mehr realisierbar ist.

Häuser und Wohnungen in normalen bis guten Lagen haben so einen Teil ihrer potentiellen Käufer zumindest fürs Erste verloren. Die Konsequenzen: Der Preisanstieg ist gebremst, Vermarktungszeiten werden länger, Verkäufer ziehen sich entweder zurück und warten die Entwicklung ab oder zeigen sich verhandlungsbereit.

Deutlich entspannter sieht es bei den Luxusimmobilien aus. Wer bereit ist, 20, 30, 50 Prozent Aufschlag für eine Wohnung mit Blick auf den See zu zahlen, für den zählt nicht die Höhe des Zinssatzes, sondern die Erfüllung eines Traumes – es geht um Lebensqualität und Werterhalt. Allerdings ist auch hier festzustellen, dass die Preise wohl erst einmal ihren Peak erreicht haben. Zumindest in diesem Jahr wird es kaum neue Rekordzahlen zu vermelden geben.

Auf Eis gelegt

Weniger Aktivität ist auch bei klassischen Investments festzustellen. Renditeobjekte wie Mietshäuser werden mit spitzerem Bleistift gerechnet. Keiner weiß, was beim Gaspreis in nächster Zeit noch auf Mieter und Vermieter zukommt.

Am deutlichsten zu spüren ist die Zurückhaltung im Bausektor. Im letzten Jahr stiegen die Baupreise in Süddeutschland um satte 18 Prozent. Solide Zeit- und Kostenplanungen sind bei den Preisturbulenzen und Lieferengpässen im Moment nicht möglich. Vom Grundstückskauf bis zur Fertigstellung zum Beispiel eines Mehrfamlienhauses vergehen in der Regel drei bis vier Jahre. Wo wird unterm Strich der finale Quadratmeterpreis liegen und ist er dann überhaupt zu realisieren? Einige Bauvorhaben wurden deshalb vorerst einmal auf Eis gelegt.

Gute Zeit für Immobilienkäufer

Die Prognose über die Marktentwicklung gleicht derzeit dem Blick in die Glaskugel. Zu viel hängt von der allgemeinen wirtschaftlichen und politischen Entwicklung ab. Trotz – vielleicht sogar wegen – aller Unwägbarkeiten ist jetzt eine gute Zeit, sich am Bodensee nach einer Immobilie umzuschauen. Die Nachfrage ist ungebrochen, die Sehnsucht nach einem ruhigen, sicheren Ort gewachsen. Im Moment hält der Immobilienzug vom Bodensee im Bahnhof.

Die Voraussetzungen, zwischen Konstanz und Lindau ein Domizil zu finden, sind derzeit besser als in den vergangenen Jahren: Es sind attraktive Immobilien im Angebot, und über Preise lässt sich mitunter auch wieder verhandeln. Das kann sich aber auch schnell ändern. Wenn wieder so etwas wie Normalität einkehrt, werden innig geliebte Regionen wie der Bodensee als Erste wieder an Fahrt aufnehmen.

Das Schwäbische Meer

Zu den besten Lagen am Bodensee zählen im deutschen Teil unter anderem Konstanz, Überlingen, Meersburg, Immenstaad und Lindau, in Österreich Bregenz. In der Schweiz dürfen Ausländer nur in wenigen ausgewählten Regionen Zweitwohnsitze erwerben

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Grafiken: Jochen Schäfers/Yamori

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Claus-Peter Haller

Redaktion BELLEVUE